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Steffi (Salina)

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Salina mal ganz anders

 

Jetantrieb in einem konventionellen Boot

 

Als ich mich auf die Suche nach einem neuen Schiffsprojekt begeben habe, war mein Anforderungskatalog groß. Da ich Rennbootfahrer bin, sollten im Schiff meine etwas müde gewordenen und aussortierten NC-Zellen Ihren Lebensabend begehen dürfen. Außerdem sollte es gut transportabel und im Becken bei Vereinsveranstaltungen verwendbar sein (Tiefgang). Ach ja, natürlich sollte es auch einigermaßen flott sein (bei meiner Rennbootfahrerehre!!) und ich wollte mit einem Jetantrieb experimentieren. Die Wahl fiel auf Graupners Salina, die bei mir jetzt Steffi heißt. Warum? Ist ja wohl logisch Obwohl dieses Modell nicht für Jetantriebe vorgesehen ist, wußte ich aus Erfahrungen von Clubmitgliedern, daß dieses Boot sehr wohl dafür geeignet ist.

 

Als ich den Karton aufmachte, fand ich einen gut ausgestatteten Baukasten vor. Die Holzteile waren alle leicht heraustrennbar, Beschlagteile und selbst Glühlampen waren zumindest für die Standardbeleuchtung vorhanden. Die Bauanleitung war leicht verständlich und der Bau des Modells in der Standardversion dürfte auch für den ambitionierten Anfänger kein unlösbares Problem sein. Ich werde bei der nachfolgenden Baubeschreibung nur auf die Abweichungen vom Bauplan und Baubeschreibung eingehen.

 

 

Der Rumpfbau

 

Als erstes ging es an den Einbau des Jetantriebs. Zum Einsatz kommt der 28 mm Jet von Kehrer-Modellbau Berlin. Da das Boot auch im Becken manövriert werden sollte, wurde eine Steuereinheit nach Riva-Calzoni eingebaut, um rückwärts fahren zu können. Grundsätzlich ist das Rückwärtsfahren bei einem, das sei schon mal vorweg genommen, so schnellen Boot meines Erachtens nicht unbedingt nötig.

Als erstes wurde ein GFK-Brett an den Spiegel zur Verstärkung geleimt. Danach wurde die Eingangsöffnung am Rumpfboden und die Ausgangsöffnung am Spiegel für den Jet ausgefräst. Da der Rumpf eine mehr oder weniger ausgeprägte V-Form hat, erwies sich das Einkleben des Jetantriebs als ziemlich Friemelarbeit, wie wir Norddeutschen so sagen.

 

Abbildung Rumpfschnitt und Keilschnitt

 

 

Auf jeden Fall muß man ab der Eingangsöffnung des Jets einen spitzen Keil in beide Richtungen in den Kiel schneiden. Danach kann man den Rumpfbodenbereich  gegen den Jetantrieb drücken und ankleben. Da die ganze Sache ziemlich unter Spannung steht, sind die Versuche, den Rumpfboden mit Sekundenkleber an den Jet anzuheften, ziemlich erfolglos ausgegangen, wenn man von dem Umstand absieht, daß kleine Teile meiner Körperoberfläche )-: am Rumpf kleben geblieben sind. Ich habe dann kleine Löcher in den Antrieb gebohrt und besagte Rumpfstellen als Klebeunterstützung festgeschraubt. Nach Trocknen des Epoxyklebers habe ich die Schrauben wieder entfernt und die Übergangsstellen samt Schraubenlöcher zugespachtelt. Zusätzlich habe ich innen den Antrieb mit Glasfasermatte am Rumpf festlaminiert. Der Antrieb ist gleichzeitig Motorträger. Deshalb ist es wichtig, daß die ganze Konstruktion eine gewisse Festigkeit bekommt, da neben den Antriebskräften auch noch das Gewicht des Graupner 700er Neodym Motors, der von einem Nessel-Rennbootregler angesteuert wird, auf die Klebeflächen wirkt.

Damit das Schiff in den Kurven nicht jettypisch wegdriftet, habe ich die Stevenrohrausgänge durch GFK-Leisten bis zum Rupfende verlängert (siehe Fotos). Wenn man diese Leisten überdimensioniert, kippt das Schiff in den Kurven nach außen, allerdings ohne Gefahr zu laufen, dabei zu kentern. Dies ist unserm Clubpräsi passiert und es sieht wirklich witzig aus.

 

Die Beschreibung des Einbaus des anderen Equipments erspare ich Euch/Ihnen, er ist auf dem Foto erkennbar. Es ist darauf zu achten, daß man das Gewicht möglichst Richtung Achtern bekommt.

 

 

Aufbau

 

Da man sich als Rennbootfahrer bis auf die Lackierung modellbauoptisch kaum auslassen kann, mußte die Salina nun herhalten. Vorgesehen ist, daß man die Rumpf- und Seitenfenster aus Rauchglas in entsprechende Vertiefungen des Rumpfes aufklebt. Dumm gelaufen, wenn man eine Innenbeleuchtung plant. Also habe ich die Vertiefungen von innen einfach weggeschliffen. Danach sind die Einbuchtungen so dünn, daß man sie wie Papier mit dem Messer herausschneiden kann. Nach dem Lackieren habe ich die Scheiben aus den Rauchglasresten von innen angeklebt. Will man sich diese Arbeit nicht machen, so empfiehlt es sich unbedingt, die Scheiben von innen weiß zu lackieren und erst danach in die Vertiefungen einzukleben. So sind definitiv keine Klebereste auf den Fenstern mehr zu sehen.

 

Die Planken sind normaler Weise auf das Deckholz aufgezeichnet. Ich habe mir gegönnt, die Decks mit Planken aus Nußbaum und die Kalfalterung (Ritzen zwischen den Planken) aus Nähseide per Hand zu fertigen. Dies wertet das Modell ungemein auf.

 

Da im Modellbau die Darstellung von Metalloberflächen durch Farbe eher mißlingen, habe ich überlegt, wie die Reling am besten naturgetreu darstellbar ist. Naja, am besten eben aus Metall. Da die Fertigung aus V2A oder Alu eher Probleme mit sich bringt, wollte ich die fertig gelötete Messingreling verchromen lassen. Pustekuchen, wegen der Lötstellen, so der Verchromungsbetrieb, funktioniert das Vorhaben auch nicht. Ich bin letztendlich durch verblättern im Conrad-Katalog auf ein Galvanisierungsgerät gestoßen, was durchaus erschwinglich war. Inzwischen beziehe ich das dafür nötige Zubehör von der Firma www.selva.de, die zwar ein wenig teurer ist, aber die nötigen Sachen drumherum anbietet, die Conrad nicht hat. Nebenbei bekommt man dort einen ausgezeichneten Service. Ich habe die Reling also erst verkupfert (sozusagen der Haftgrund) und dann vernickelt (von Chrom nicht zu unterscheiden). Das ergibt eine phantastische Optik, die dem Original im nichts nachsteht. Vom Arbeitsaufwand her ist das Galvanisieren durch die Vorarbeit, nämlich das Säubern und Polieren der zu galvanisierenden Teile, höher als das Lackieren, lohnen tut sich das allerdings allemal. Empfehlenswert für jeden, der sich damit beschäftigen will, ist das schnell zu lesende, bei beiden Firmen angebotene zugehörige Buch.

 

 

Flybridge

 

Die Flybridge wird aus mehreren ABS-Teilen zusammengefügt, die aufgrund der Konstruktion große, unschöne Nähte hinterlassen. Ich behaupte, daß sich Graupner da nicht besonders viele Gedanken gemacht hat, wie man die Teile am besten gestaltet. Es empfiehlt sich unbedingt, diese Nähte mit Feinspachtel sorgfältig zu spachteln, um den schönen Gesamteindruck des Modells nicht zu zerstören.

 

Lange habe ich überlegt, wo ich die Öffnungen plazieren soll, damit der Schall des Soundmoduls einigermaßen ungehindert aus dem Boot heraus kann. Ich habe dann auf der Innenseite der Flyingbridge aus der Innenverkleidung rechteckige Löcher herausgeschnitten und mit Messinggitter (Harhaus) von der Unterseite aus verkleidet. Diese sehr feinmaschigen Gitter muß man vor dem Einkleben vorsichtig lackieren (Airbrus oder Sprühdose), da das Gitter sich schnell zusetzt. Ich habe übrigens aus diesen Gittern die Bodenbeleuchtung für die Flybridge heraustreten zu lassen.

Für die Befestigung der Flybridge, die als Zugang zu dem Innenleben des Schiffes fungiert, sind Gummiringe von Graupner vorgesehen. Ich habe statt dessen Stecker an die FB und Buchsen an den Aufbau geklebt, die ich mit den Kabeln für die Beleuchtung verlötet habe. Der Aufbau hält hervorragend und nebenbei brauche ich mich um die Trennung der Stromzufuhr für die Beleuchtung beim Abnehmen der Abdeckung nicht mehr zu kümmern. 

 

 

Zusatzfunktionen

 

Außer der Positionsbeleuchtung und Mastlaternen bekam die Salina eine Innen-, Cockpit- und Flybridgebeleuchtung. Die Cockpitbeleuchtung ist sehr simpel zu realisieren und sehr zu empfehlen. Da Graupner die Aufkleber so gestaltet hat, daß die Instrumente in der Folie transparent sind, kann man einfach ein bis zwei Birnen im Cockpit plazieren und die besagten Stellen am Cockpit vor dem Aufkleben der Abziehbilder ausfräsen. Schon hat man eine Cockpitbeleuchtung.

Weiterhin erhielt die Salina eine Feuerlöschpumpe. Ein Besatzungsmitglied hat einen Schlauch in der Hand und hält ihn zum Vergnügen der Kinder besonders gerne in die Zuschauer hinein.

 

Zusätzlich habe ich noch einige Beschlagteile wie Rettungsreifen, Besatzung und Fahnenmast ergänzt oder durch hochwertigere ersetzt, da ich kein großer Plastikfan bin. Solche Kleinteile werten Schiffe doch sehr auf.

 

 

Fahrbetrieb

 

Angst hatte ich vor dem doch sehr hohen Gewicht durch die Sonderfunktionen. Alleine der Lautsprecher des Navy -Geräuschgenerators schlägt schon mit 270g zu Buche. Die Jungfernfahrt bei dem Schaufahren in Greven war auch sehr ernüchternd. Die Lenkung war weich wie Butter, die von Kehrer vorgeschlagene Anlenkung gab zu sehr nach. Das Gewicht war zu hoch und zu weit hinten, der Bug wippte auf und ab. Außerdem hatte ich durch die Verkabelung einiges an Störungen, weil ich gewagter Weise das BEC-System auch als Stromlieferant für andere Komponenten wie Licht und Relais benutzt hatte. Ich habe danach die Durchführung  im Jet für die eine Anlenkung aufgebohrt und dort eine Hülse eingeklebt, die so groß war, daß dort der Schaft für eine Metallkugelkopfanlenkung Platz hat. Die eine Anlenkung besteht nun aus besagtem Metallkugelkopf und einem 3mm Federstahldraht, die Anlenkung der anderen Seite lasse ich als Unterstützung mitlaufen (siehe Fotos).

Ich habe mich entschieden den Geräuschgenerator wieder auszubauen, da er mit samt dem Lautsprecher zu schwer ist und sowieso schlecht zu hören war.Nun wagte ich erneuter Testfahrten.

Es ist einfach phantastisch, dieses Fahrbild bei 14 Zellen. Der Jetantrieb beschleunigt das Boot auf eine beachtliche Geschwindigkeit. Trotzdem liegt das Boot sicher im Wasser, ohne zu springen. Die Salina ist sehr flexibel durch die mögliche Variation der NC-Zellen (6-14 Zellen). Somit kann man entweder über den See „powern“ oder gemütlich bei Veranstaltungen auf dem Becken dümpeln.

Ich kann den Jet-Fans nur empfehlen, die Salina in die Riege der jetfähigen Modelle aufzunehmen. Vielleicht denkt Graupner sogar mal darüber nach, alternativ diese Bauvariation in die Beschreibung aufzunehmen. Es wäre materialseitig nur ein zusätzliches Spiegelbrett erforderlich.

 

Andreas Renicke